Verändert + versöhnt = Voll frei
Von Thomas Volkart

"Zufrieden oder Geld zurück". Mit diesen Worten begrüsste uns Wilf Gasser, Präsident des Männerforums, am diesjährigen Männertag. Ich habe jedenfalls keinen Mann gesehen, welcher am Ende der Veranstaltung seinen bezahlten Betrag zurückforderte. Und Bene Müller, der zusammen mit seiner Band den Lobpreis leitete, doppelte nach und forderte uns auf, an diesem Tag "Nägel mit Köpfen zu machen", d.h. den Tag zu nutzen, damit Veränderung geschehen kann. Dass Veränderung und Versöhnung zusammengehören, erfuhren wir durch die Zeugnisse von Evan Thomas, Pastor einer israelisch-jüdischen Gemeinde in Netanya und seinem Freund Nihad Salman, Pastor einer palästinensisch-christlichen Gemeinde in Bethlehem. Beide sind tagtäglich dem Konflikt in Israel und Palästina ausgesetzt, was sie jedoch nicht hindert, in der Kraft Gottes den Versöhnungsdienst voranzutreiben.

"Ich erwarte, dass Gott an diesem Tag zu uns Männern spricht und dir und mir auch Versöhnungsgebiete und -chancen aufzeigt." Mit diesen Worten schliesst Peter Gloor, Vorstandsmitglied vom Männerforum, seinen Bericht im letzten "Männer Aktuell".

Mit denselben Gedanken sind viele nach Bern gepilgert, wurden jedoch vor den Türen von einem Mann mit einer Schlange an einem Stab angepöbelt. „Was willst Du da drinnen? Da geht es um Versöhnung! Das brauchst du doch nicht…!“. Mit diesen Worten trat Clown Tschesli in Aktion und er verstand es, die Männer dort abzuholen wo sie sich gerade befanden. Aber keiner liess sich abhalten, denn das Verlangen nach Veränderung war zu gross. Auf lockere Art führte uns Tschesli mit seinem zweiten Auftritt ans Thema heran. Was machst Du mit einem Geschenk, dass du von einer Person erhältst von der Du nichts Gutes zu sagen weist. Tschesli erhielt ein Geschenk von seinem „Feind“ Egon. Ist es wohl eine Bombe oder… Also von dem kann doch nichts Gutes kommen. Bekannte Gedanken die jeder von uns Männer schon über andere hatte. Aber was machen wir damit? Gott kennt das und fordert uns heraus Friedensstifter zu sein, auch wenn wir dabei den lieb gewonnen Socken verschenken müssen wie es Tschesli tun musste. Das Geheimnis davon wurde uns jedoch erst am Ende vom Männertag aufgezeigt.

Das Leben inmitten von Konflikten

Die Referate von Evan und Nihad führten uns in die Mitte von äusseren und inneren Konflikten. Beide Referenten erleben in ihrer Heimat tagtäglich psychischen Stress. Evan wurde mit den Auswirkungen von mehreren Anschlägen der palästinensischen Extremisten konfrontiert, da Familienmitglieder von Angehörigen seiner Gemeinde verletzt wurden. Das ging nicht spurlos an ihm vorüber. Da braucht es Gottes Hilfe, dass keine Hassgefühle hochkommen. Auf der anderen Seite lebt Nihad in Bethlehem. Seit Generation ist seine Familie dort und erlebt was es heisst, unter der Besatzung Israels zu leben, die einem das Leben nicht erleichtert sondern oft erschwert. Ängste, kriegsähnliche Zustände, materielle Not, Arbeitslosigkeit und vieles mehr beschäftigen ihn. Und in diesen schwie­rigen Umständen traf beide Gott und führ­­te sie zu neuen Ufern.

Nihad zeigte uns an seinem persönlichen Beispiel, was es heisst, ein Friedensstifter zu sein. Als Mann sind wir berufen Haupt des Hauses zu sein. D.h. Segen und Fluch hängen von unserem Verhalten ab. «Gesegnet sind die Friedensstifter» heisst es im Gottes Wort. Also machte er sich auf und traf sich mit dem „Problemjuden“ der Evan heisst, und lud ihn zum Essen ein. Daraus entstand eine Beziehung die zur Versöhnung führte. Schmunzelnd bemerkte Nihad: „Wenn sich ein Jude und ein Palästinenser umarmen und versöhnen können, dann kann dies auch in jedem anderen Konflikt möglich sein.“

Dies erlebte auch Sascha, dessen Ehe bis hin zum Ehebruch zerrüttet war. Als er am Ende seiner Kräfte war, rief er zu Gott. Sprüche 5 (Warnung vor Ehebruch) führte ihm die Tatsachen seines Tun’s vor Augen. Gott führte ihn und seine Frau wieder zusammen. Ist das alles? Nein! Sascha machte uns Männern Mut, wenn Probleme da sind, wenn in der Ehe nichts mehr funktioniert, versuch es nicht selbst, sondern suche Hilfe von ausserhalb. Aber es gilt auch, dass wir Menschen die gefallen sind, nicht verurteilen, mit ihnen zwar Klartext reden aber barmherzig sind.

Am Nachmittag erzählte Nelson, der ohne jegliche Vaterliebe aufwuchs, wie lange ein Prozess der Versöhnung gehen kann. Bei seiner ersten Begegnung mit seinem Vater erntete er eine Ohrfeige.
Als er später Christ wurde, belastete ihn die schwierige Beziehung zum Vater so sehr, dass er in eine schwere Depression verfiel. Erst durch zaghafte Annäherung und viele Gespräche löste sich der Hass auf den Vater und Gott schenkte ihm Liebe zum Vater.

Versöhnung im Innern

Evan erlebte eine andere Art der Versöhnung. Ein Prozess der über Jahre ging. Der Tod seines Vaters, mit verschuldet durch seinen Bruder, löste alles aus. Weder sein Bruder noch er konnten sich jahrelang wirklich begegnen. Auf der einen Seite war das Schuldgefühl, dass das Leben seines Bruders fast ruinierte, auf der andern Seite Wut auf den Bruder im Herzen von Evan. Obwohl Gott in seiner Barmherzigkeit Evan Erfolg im Gemeindebau und im Versöhnungsdienst mit den Palästinensern gab, war da etwas tief im Herzen, das er dauernd mit sich herum­trug. Bis eines Tages Gott seinen Finger auf die Wunde hielt. Nun kam die schwierige Entscheidung diese Sünde in sich anzuerkennen und abzugeben. Das Wort aus 1. Johannes 4 „Wer Gott liebt, aber seinen Bruder hasst, ist ein Lügner“ traf Evan hart. Er erkannte, dass er als Lügner lebte. Wir können uns jahrelang belügen, dass in unserer Seele alles in Ordnung ist, denn der Teufel will das so. Aber Frieden finden wir nicht. 26 Jahre dauerte dieser Zwist zwischen ihm und seinem Bruder. Und Gott löste diesen Konflikt als Evan dazu bereit war.

Evan forderte die Männer auf loszulassen, wenn solche jahrelang mitgetragene Sünde im Leben vorhanden ist. Gott will heilen. Gott macht aus verpfuschtem vollkommen Neues.

Vier Schritte zum Erfolg

Nach 2. Korinther 5 sollen wir Botschafter der Versöhnung sein. Nihad zeigte uns Män­nern vier Ebenen der Versöhnung auf.

Die erste Ebene ist die Versöhnung mit Gott. In uns kommt oft der Gedanke auf, dass Gott Schuld ist, wenn wir etwas erleben, das aus unserer Sicht negativ ist. Doch dies ist eine verzerrte Sicht, mit der wir uns schuldig machen. Wenn wir uns dieser Schuld bewusst werden und Busse tun, ist unser Weg zur Versöhnung mit Gott frei. Er hat sich durch Jesus Christus schon lange mit uns versöhnt.

Die zweite Ebene ist die Versöhnung mit dem Bruder (Versöh­nung untereinander). Eine zentrale Aussage lautete: „Der Feind ist nicht der Mensch, sondern der Teufel. Gott richtet über den Menschen, nicht wir.“

In der dritten Ebene müssen wir uns mit uns selber versöhnen. Palästinenser zu sein war für Nihad wie ein Fluch. Er fühlte sich ständig als drittklassiger Mensch. Wer bin ich? Als was hat mich Gott gemacht? Da musste er erst mal die tiefe Liebe Gottes zu sich erkennen. Bei ihm gibt es keine Klassenunterschiede.

Und die Versöhnung mit der Gemeinde ist eine weitere Ebene.

Das ist für viele Christen die schwierigste Stufe, da dort immer wieder Missverständnisse entstehen. Aber wir müssen wissen, dass Jesus das Haupt seiner Gemeinde ist.

Evan fasste das ganze mit den Worten zusammen, dass es unsere Wahl ist, ob wir in etwas Ungutem verharren wollen oder Versöhnung erleben. Dabei ist es Voraussetzung, dass wir das Versöhnungswerk Jesu vollkommen annehmen. Versöhnung ist Lebensstil.

Versöhnung = Liebt einander (dies ist eine Aufforderung an uns)!

Und wie erlebte das Clown Tschesli? Gott schenkte Vermehrung. Auf den einen weggegebenen Socken erhielt er eine Kiste voller Socken. So gross ist Gott!