Harter Schädel, weiches Herz
von Willy Seelaus
Ein Ländli-Wochenende nur für Männer
Der Jauchzer hallt von den glatten Wänden des Hallenbades vom „Ländli“ in Oberägeri. Alfred Gerster, strammer Landwirt aus der Ostschweiz, kann das „Juchze“ selbst im Whirlpool nicht lassen. Und auch das Singen liegt im am Herzen. „Sollte ich meinem Gott nicht singen“ hat er gleich zu Beginn des Männerwochenendes vor 154 Männern frisch und frei angestimmt.
Alfred hat allen Grund zum Jauchzen, so ist er doch seit ein paar Tagen von den brutalen Schmerzen einer Diskushernie befreit. Und schliesslich begrüsse er daheim auf dem Bauernhof Gott jeden Morgen mit einem Jauchzer. Kein Wunder, dass sich seine kernige Stimme mühelos über das Geblubber des Whirlpools erhebt. Zu viert sitzen wir am Samstagnachmittag im warmen Wasser, um uns über unsere Lebensträume auszutauschen. Männer mit Vision ist auf dem Einladungsflyer des Männerforums gestanden. Doch es kommt anders. Unsere Vision fängt zu Hause an. Alfred gibt seine Erfahrungen weiter, die er im Laufe der Jahre als Vater vieler Kinder und Enkelkinder gesammelt hat. Er erzählt, wie er bete und Gott beim Wort nehme, wie er die Beziehungen zu Frau und Kindern pflege und wie er immer wieder danke. Und er kommt direkt zur Sache. „Darf ich für Dich und deine Familie beten,“ fragt er und ist dann voll dabei. Für eine Stunde ist der Whirlpool fest in Männerhand.
Am Freitagabend sind wir angereist und von Marco Quero und dem Ländliteam gastfreundlich empfangen worden. Seither haben wir Vieles über Gottes Liebe, über Saat und Ernte gehört.
Auch am Samstagabend und am Sonntagvormittag streuen Wilf Gasser, Hanspeter Nüesch, Hannes Wey unterstützt vom Team des Männerforums weiterhin gute Saat in die Männerherzen, die in Lobpreis- und Gebetszeiten weich geworden sind. Wir hören, dass junge Zedern nur sehr langsam wachsen. Sie brauchen viele Jahre, um ihre Wurzeln immer tiefer bis zum Wasser auszustrecken. Oben tut sich kaum was. Sind jedoch die Wurzeln bis zum Wasser vorgedrungen, dann geht’s auch mächtig in die Höhe. Geistliche Vaterschaft beginnt mit der Beziehung zu Gott, dem Vater und zieht sich durchs ganze Leben hindurch. Tiefe Wurzeln und Standfestigkeit sind gefragt. Die Vaterliebe gibt uns Wert und Sinn, nicht unsere Taten. Männer sind zur Freiheit berufen, die sich jedoch nicht in selbstsüchtiger Wunschbefriedigung erschöpfen soll. Loben, Lieben und Segnen ist das A und O in der Erziehung, frisches Wasser von der Quelle für die ganze Familie. Und noch eine Lektion vom Hobbystrahler HP Nüesch. Ein wertvoller Kristall ist oft unter einer Schmutzschicht verborgen, nur der Kenner sieht, was darunter steckt. Gott sieht unser Potenzial. "Männer steht auf, bringt eure Talente ein. Jeder hat welche bekommen, gebraucht sie", so HP Nüesch. Dazu brauchen wir einen harten Schädel, aber ein weiches Herz, erklärt er uns.
Am Samstagabend, bei einem wie immer exzellenten Abendessen, schlüpft Hannes Wey in die Rolle eines jüdischen Hausvaters und zelebriert einen Sederabend. Das ist der Auftakt des jüdischen Pessach-Festes. Am Sederabend wird im Kreis der Familie (oder der Gemeinde) des Auszugs aus Ägypten gedacht. Alles geschieht nach klarer Ordnung. Zum z‘Nacht gibt's Lamm. Und streng genommen, hätten vier Kelche gefüllt mit Wein gebechert werden sollen. Einer hat mir gereicht. Und viel zu schnell ist wieder Sonntagmittag – Zeit, Abschied zu nehmen. Ein bisschen mehr Ewigkeit wäre an einem solchen Wochenende nicht schlecht.